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Quelle: WAZ vom 30.06.2006
Eine Alternative zum Kiga


Nach dem Lernen wird gespielt: Auf der Wippe sitzen Josephine, Julia, Jonas, Michael und Noah (v.l.). Foto: WAZ, Ilja Höpping
Eltern protestieren und gründen ein Netzwerk. Politiker kritisieren Landeskürzungen und verteidigen Beitragserhöhungen. Private Anbieter sehen ihre Chance

KINDERGARTENBEITRÄGE UND DIE REAKTIONEN Was für ein schöner "Butterfly". Wenn im September die Kinder der neuen Spiel- und Fördergruppe des Vereins Dreistein erfahren, wie sich eine Raupe in einen Schmetterling verwandelt, lernen sie Englisch fast wie nebenbei: Butterfly, der Schmetterling.

Der Privatanbieter will mit dem neuen Angebot eine Alternative zu den Kindergärten sein. "Unser Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung statt auf der Betreuung", sagt die Leiterin Hildegard Fromlowitz. Erzieher und Grundschullehrer sind für die Kinder da, darunter drei Fachkräfte deren Muttersprache Englisch ist. Eine weitere wird gesucht.

Hildegard Fromlowitz arbeitet selbst noch zwei Tage die Woche an einer Grundschule. Die 50-jährige Lehrerin weiß daher, was den Kindern fehlt, wenn sie im Klassenraum sitzen: "Sie sind feinmotorisch schwach, können nicht schneiden, kleben. Sie geben schnell auf, sind unkonzentriert und undiszipliniert."

Durch das Programm bei Dreistein soll das anders werden. "Wir drillen die Kinder nicht", betont Hildegard Fromlowitz. Die Inhalte werden spielerisch vermittelt. Die Englisch-Gruppe wird zwölf Stunden die Woche vormittags angeboten. Dafür zahlen die Eltern im Monat 195 Euro. Zudem stehen ihnen verschiedene Bausteine zur Verfügung, die sie zusätzlich für jeweils 60 Euro buchen können: Sport, Konzentration und Feinmotorik oder etwa musikalische Früherziehung. "Die Kinder gehen dann eine Etage höher in eine Musikschule."

Der Besuch bei Dreistein ist nicht gerade ein Schnäppchen. "Man muss die Kinder aber nachmittags nicht mehr extra in die Musikschule oder zum Turnkurs schicken", argumentiert Fromlowitz. Außerdem garantiert Dreistein, dass in einer Gruppe mit zwei Betreuern nicht mehr als zwölf Kinder sind.

Eine Betreuung über den Mittag hinaus kann Dreistein derzeit nicht anbieten. Es scheitert an den Auflagen, die ihnen das Land vorschreibt. "Wir dürfen nicht selber kochen, bräuchten einen extra Ess- sowie einen Ruheraum." Allein für das Bad gebe es Vorschriften. Neben den extra niedrigen Toiletten sei der Abstand zwischen den Handtuch-Haken festgelegt. Außerdem dürften sich die Kinder nur mit Flüssigseife und nicht mit einem Seifenstück die Hände waschen.

In den neuen Räumen von Dreistein soll dies berücksichtigt werden. Der Verein zieht an die Raadter Straße 79a in Essen, an der Stadtgrenze zu Mülheim, in die Räume eines evangelischen Kindergartens, der aus finanziellen Gründen schließen musste. Dreistein finanziert sich komplett selbst. Dazu Hildegard Fromlowitz: "Wenn uns das Essener Jugendamt unterstützen würde, dürften keine Kinder aus Mülheim zu uns kommen."

30.06.2006 Von Maren Schürmann


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